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bruno bucheli - 28. januar 2026

religiöse gefühle

Ende januar 2026 stand sie vor gericht, angeklagt wegen störung der glaubens- und kultusfreiheit. Sie hatte im september 2024 im übungsraum mit einer luftpistole auf ein bild mit maria und kind geschossen. Danach postete sie bilder davon auf instagram. Das verletzte die religiösen gefühle anderer menschen. Die gefühle von millionen christen, sagten manche.

Muslim*innen dürfen ihre toten nicht in ihrer wohngemeinde begraben. Das haben die stimmbürger*innen von Weinfelden im mai 2025 beschlossen. Mit ihrem entscheid haben sie die religiösen gefühle von muslimischen menschen in Weinfelden und in der Schweiz verletzt. Ob hunderte oder tausende oder millionen menschen, weiss ich nicht.

Im ersten fall folgte eine anklage wegen störung der glaubens- und kultusfreiheit. Im zweiten fall? Nichts. Alles in ordnung.

Die privatkläger aus der jungen SVP scheren sich einen deut um religiöse gefühle. Der partei-nachwuchs spielt ein verlogenes, diskriminierendes, politisches spiel mit den religiösen gefühlen von christ*innen und muslim*innen. Der partei-nachwuchs missbraucht die demokratischen einrichtungen für seine politische hetze.

Es gibt ehrlich-empörte und es gibt schein-empörte. Nils Fiechter und seine clique gehören zu den schein-empörten. Die religösen gefühle sind ein schein-argument. Es geht den jungs um politik, genauer um politische hetze.

Die junge und die alte SVP kennen sich mit schein ja gut aus: Schein-flüchtlinge, schein-sozialhilfe-empfänger*innen, schein-schweizer, schein-argumente ... und, ja, es gibt auch ausserhalb der SVP schein-empörte.

Bei denjenigen, die in ihren gefühlen tatsächlich verletzt waren, hat sich frau Ameti schon kurz nach der publikation entschuldigt und die bilder auf instagram gelöscht.

Leider sieht es so aus, als ob manche personen in öffentlichen institutionen beim spiel der SVP-jungs mitmachen. Wenn die überlastete zürcher staatsanwaltschaft die politisch motivierte anklage in weniger als 18 monaten zur verhandlung bringt, ist das bemerkenswert. Es ist nicht unbedingt ein gutes zeichen, weder für die gerichtsbarkeit noch für die solidarität und das zusammengehörigkeitsgefühl in unserm land.

Ich finde es unglaublich kurzsichtig, eine person im sturm von hetze und hass allein zu lassen, damit man selber nicht zu viel abbekommt.

Wer sich nicht einfach mal hinter eine person stellt, weil die hass- und hetze-aktionen gegen sie jenseits von gut und böse sind, der sagt unausgesprochen, dass es manchmal okay ist, einen menschen gnadenlos fertig zu machen. Er verschiebt damit gewollt oder ungewollt die grenzen des zulässigen in richtung mehr unmenschlichkeit und mehr menschenverachtung.

Die reaktionen auf eine person und ihr tun sind ja nicht ein unbeinflussbares naturphänomen. Im gegenteil, es sind aktive äusserungen von menschlichen individuen, die beispielsweise gelernt haben, auf die toilette zu gehen, ohne sich die hose vollzuschmieren, oder ihr auto in eine parklücke zu stellen, ohne dabei beulen ins blech zu hämmern.

Über diese leute müssen wir reden. Ihnen (und denen, die normal finden, was die tun) müssen wir auf die füsse treten, statt jemandem wie Sanija Ameti vorwürfe zu machen. Oder wollen wir, dass die hetzer und schreier und ihre mitläufer*innen bestimmen, was jemand sagen, schreiben und tun darf?

Am 28. januar 2026 musste sich Sanija Ameti wegen störung der glaubensfreiheit vor dem bezirksgericht Zürich verantworten ➚.

In der schweiz hat am 18. mai 2025 erstmals die stimmbevölkerung einer gemeinde über muslimische gräber abgestimmt ➚. Die Weinfelder*innen sagten nein zu einem muslimischen grabfeld auf dem friedhof ihrer stadt.
Dass musliminnen und muslime in Weinfelden steuern zahlen, das scheint voll in ordnung. Aber ihre toten sollen sie gefälligst woanders begraben. Die abstimmung in Weinfelden zeigt: Demokratische entscheide können diskriminierend sein.

Staatsanwaltschaft versinkt in arbeit ➚. Staatsanwälte sind überlastet ➚.

Am 11. september 2024 schrieb Elia Blülle auf republik.ch ➚: Was Ameti gerade widerfährt, sprengt alle grenzen. Kaum hatte der "blick" über den vorfall berichtet und ameti sich entschuldigt, ergoss sich eine hass­kampagne über die junge politikerin. Felix Reich nannte es am 22. september 2024 auf reformiert.info ➚ die international vernetzte empörungsmaschinerie, angeworfen mit dem ziel, die tat politisch zu instrumentalisieren und die absenderin der verstörenden nachricht medial zu exekutieren.

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