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bruno bucheli - 8. april 2025

meine tatsache

"Homosexuelle sind krank" ist ein satz wie "Blondinnen sind dumm" oder "Schwarze katzen bringen unglück" oder "Die welt ist schlecht." Ich mache aus der tatsache, dass es gleichgeschlechtliche liebe und blondhaarige frauen gibt, dass manche katzen schwarz sind und dass auf der welt nicht alles gut läuft, ein weltbild, mein weltbild, meine deutung der welt.

Dabei werte ich die tatsachen. Ich bewerte sie. Manche werte ich ab, weil ich sie nicht wahrhaben will, weil sie mir unangenehm sind, weil sie mich verunsichern. Andere werte ich auf, weil sie meine welt bestätigen, weil sie mich bestätigen, weil sie mir sicherheit versprechen.

Ausgrenzung und diskriminierung als selbstschutz, als schutz vor den widersprüchen der welt? die welt muss doch einen sinn haben. Was nicht zum sinn passt, muss weg, weil es nicht dazu gehört, weil es den sinn kaputt macht?

Deutungshoheit ist ein modewort. Es suggeriert, dass jemand mir sagen kann und vorschreiben will, wie ich die welt zu sehen habe, wie ich die welt verstehen soll und darf. Wer von deutungshoheit redet, tut so, als ob es eine einzige wahrheit gäbe.

Wir sehen die welt ja nicht, wie sie ist, sondern wie wir sie uns denken. Eine aussage wie "Homosexuelle sind krank" ist eigentlich nichts anderes als die information darüber, wie ich mit der tatsache, dass es gleichgeschlechtliche liebe gibt, umgehe, wie ich diesen umstand in mein wertesystem integriere. Mit "krank" deute ich sie als etwas ungesundes, unschönes, das nicht in meine welt passt und deshalb irgendwie weg muss. Unschöne menschen stören meine welt.

Mit wörtern wie deutungshoheit tue ich so, als ob alles ein frage der ansicht ist. Es gibt vor, dass ich ohne rücksicht auf andere sagen und durchsetzen kann, was ich für richtig halte. Anders gesagt: Es ist eine frage der deutungshoheit, ob es in ordung ist, eine frau zu schlagen oder ein kind umzubringen.

Falsch. Ich bin nun mal nicht die welt, sondern nur ein teil davon. Da macht es sinn, diese welt mit den andern zu teilen. Menschen, die vor uns lebten, haben das erkannt, als sie die menschenrechte proklamierten.

Alle menschen sind frei und gleich an würde und rechten geboren. Sie sind mit vernunft und gewissen begabt und sollen einander im geist der solidarität begegnen.

Die durchsetzung und wahrung der menschenrechte sind sinn und ziel unseres daseins, unseres lebens, unserer welt.

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